Carausius morosus

Die Ordnung Phasmatoptera wird in zwei artenreiche Familien gegliedert, die Phylliidae und die Phasmatidae.

Die Indische Stabheuschrecke (Carausius morosus) gehört zur Gruppe der Phasmatidae (Gespenst- oder Stabschrecken), Unterfamilie Lonchodinae.

Sie ist in Südindien beheimatet und lebt dort vorwiegend auf Sträuchern.

Carausius morosus wurde häufig zu Versuchszwecken in Laboratorien gezüchtet. An ihnen wurden Untersuchungen über den Farbwechsel der Stabschrecken ausgeführt. Die Färbung variiert mit der Temperatur und auch zwischen Tag und Nacht von dunkelgrün bis dunkelbraun.

Das Weibchen wird bis zu 7,5 cm lang. Der Körper ist schlank und gerade. Mit Eintritt der Geschlechtsreife färbt sich die Innenseite der Vorderbeine rot. Das Männchen wird bis zu 5,5 cm lang und ist sehr dünn und feingliedrig. Männchen treten allerdings recht selten auf. Beide Geschlechter sind flügellos. Sie können ihre Beine ganz am Körper anlegen, so dass man sie nicht mehr sehen kann.

Stabheuschrecken sind dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber verstecken sie sich auf der Futterpflanze. Bei Gefahr lässt sich Carausus morosus fallen und legt die Beine eng am Körper an. Sie stellt sich tot.

Carausius morosus füttert man im Terrarium am Besten mit Brombeerblättern, sie fressen aber auch Efeu und Liguster. Ihren Durst löschen sie durch trinken von Wassertropfen von den Blättern der Futterpflanze. Im Terrarium sprüht man dazu 2 mal täglich die Futterpflanzen mit einem Zerstäuber an.

Die Indische Stabheuschrecke pflanzt sich vorwiegend durch Jungfernzeugung (Parthenogenese) fort. Unter mehreren Tausend Nachkommen treten immer nur vereinzelt Männchen auf. Wenn Männchen da sind, kommt es auch zur Kopulation. Aber um Eier zu legen, braucht sich das Weibchen nicht unbedingt zu paaren. Die Eier werden vom Weibchen weggeschleudert und fallen zu Boden. Die Eier sind nur ca. 1 mm gross. Man sollte die Eier einsammeln und in einem extra Brutbehälter ausbrüten.

Zur Aufzucht wird eine Plastikbox ca. 3cm hoch mit Torf oder Erde gefüllt und die Eier daraufgelegt. Die Box stellen wir an einen warmen Ort (etwa 25 Grad) und halten den Torf ständig feucht, am besten durch ansprühen mit dem Zerstäuber. Den Behälter sollte man mit Gaze abdecken, aber nicht luftdicht machen, sonst bildet sich Schimmel in der Box. Die Entwicklung im Ei dauert 4 - 8 Monate, abhängig von der Bruttemperatur. Die Larven brauchen etwa 3 Monate zur Entwicklung vom Schlüpfen bis zum Imago. Das Weibchen legt mehrere Monate lang Eier.

Wenn die Stabheuschrecken wachsen, wird ihnen die alte Haut zu klein und sie schlüpfen heraus. Die alte Haut bleibt in den Zweigen hängen und wird normalerweise gleich vom selben Tier aufgefressen. Manchmal bleibt sie aber auch hängen wie ein Gespenst. Die Stabheuschrecken häuten sich 6 mal. Die letzte Häutung heisst Imaginalhäutung. Die Männchen häuten sich einmal weniger und werden auch nicht so gross, haben aber zur gleichen Zeit wie die Weibchen, die gleichzeitig geschlüpft sind, ihre Imaginalhäutung. Damit es bei der Entwicklung nicht zu Fehlhäutungen kommt, muss immer eine gewisse (hohe) Luftfeuchtigkeit im Terrarium herrschen. Wenn die Luft zu trocken ist, bleiben die Tiere in der alten Haut stecken und sterben.

PS: Ich bin an allen Arten Stab- und Gespenstschrecken interessiert. Wer etwas anzubieten hat soll sich bei mir melden. Ulrike Kunchintzki